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Akademische Freiheit in Gefahr

Offener Brief des Helmholtz-Zentrums an Georgien



Eine Hochschulreform sollte für bessere Qualität, mehr Zugänglichkeit und stärkere Universitäten stehen. Die von der Regierung vorgeschlagene „Reform“ folgt jedoch nicht primär akademischen Notwendigkeiten, sondern der Logik administrativer Bequemlichkeit und politischer Kontrolle. Wenn der Staat von „Ressourcenoptimierung“ spricht, kann das in der Praxis bedeuten, dass das System nicht im Interesse von Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verbessert, sondern so vereinfacht wird, dass weniger unabhängige Zentren, weniger Alternativen und am Ende weniger institutionelle Eigenständigkeit übrig bleiben.

Im Folgenden veröffentlichen wir die uns von der Redaktion zur Verfügung gestellten offenen Brief des Wissenschaftlichen Direktors des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf, Sebastian Schmidt, unverändert.

Der Brief erscheint im Namen der Georgisch-Deutschen Wissenschaftsbrücke (GGSB), des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung (GSI), des Forschungszentrums Jülich (FZJ) sowie des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR).

„Offener Brief,

Georgisch-Deutsche Wissenschaftsbrücke (GGSB)

Seit über 20 Jahren erfüllt die Georgisch-Deutsche Wissenschaftsbrücke (GGSB) die Funktion eines verbindenden Glieds zwischen deutschen Forschungsinstituten und den Universitäten Georgiens. In dieser Zeit haben wir durch gemeinsame Forschungsprojekte, Austauschprogramme für Studierende und Personal sowie durch die Unterstützung beim Ausbau der wissenschaftlichen Forschungsinfrastruktur erfolgreiche und nachhaltige Partnerschaften aufgebaut, vor allem mit Institutionen in Tiflis, was in Georgien zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Hochschulbildung und Forschung beigetragen hat.

Mit Sorge haben wir die Nachricht über die vorgeschlagene Hochschulreform zur Kenntnis genommen, insbesondere über die Politik „Eine Stadt – eine Fakultät“. Trotz der Behauptung der Initiatoren der Reform, dieser Ansatz diene der Verbesserung der Effizienz und der Optimierung von Ressourcen, sind wir überzeugt, dass er in Georgien die Vielfalt, die Zugänglichkeit und die Qualität der Hochschulbildung gefährdet, weil er Interdisziplinarität behindert. Darüber hinaus bedroht er die langfristige Zusammenarbeit, die die GGSB in den letzten zwei Jahrzehnten aufgebaut hat. Wir möchten ausdrücklich betonen, dass institutionelle Autonomie und akademische Freiheit Grundpfeiler demokratischer Gesellschaften sind, die Universitäten ermöglichen, sich eigenständig zu entwickeln, Innovationen einzuführen und künftige Generationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Bürgerinnen und Bürgern auszubilden. Die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung bildet die Grundlage fruchtbarer internationaler Zusammenarbeit. Eine Politik, die Fakultäten einengt oder auf zentralisierte Kontrolle akademischer Einrichtungen abzielt, kann unbeabsichtigt diese Freiheiten schwächen und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit der globalen wissenschaftlichen Gemeinschaft einschränken.

In den letzten dreißig Jahren hat Georgien bemerkenswerte Fortschritte bei der Transformation und Weiterentwicklung seines Hochschulsystems erzielt. Dieser Weg umfasste die Einführung internationaler Standards, die Ausweitung akademischer Programme sowie die Stärkung von Forschungs- und Mobilitätsmöglichkeiten. Die GGSB ist stolz darauf, durch jahrzehntelange Kooperation zu diesem Fortschritt beigetragen zu haben, und wir hoffen, auch künftig die Entwicklung der Wissenschaft in Georgien unterstützen zu können. Wir rufen die zuständigen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger respektvoll dazu auf, die potenziellen negativen Auswirkungen der Politik „Eine Stadt – eine Fakultät“ auf internationale Zusammenarbeit, wissenschaftliche Freiheit und die langfristige Entwicklung der Hochschulbildung in Georgien sorgfältig zu prüfen.

Wissenschaftlicher Direktor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf

Sebastian Schmidt

im Namen der Georgisch-Deutschen Wissenschaftsbrücke (GGSB), des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung (GSI), des Forschungszentrums Jülich (FZJ) sowie des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR)“

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